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Es war
auf der Teerstraße zwischen Lusaka und Livingstone, ein sonniger Samstag
Mittag Ende Juni. Wir schnurrten mit 60km/h Cruising Speed dahin und
unterhielten uns angeregt durch den ganzen Unimog. Vielleicht kam’s
dadurch, daß wir wieder mal einem Schlagloch nicht schnell genug
ausweichen konnten und es machte Kawum. Normalerweise nimmt man im Moggi
mit seinen großen Rädern und den guten Schraubenfedern nur richtige
PrachtPotholes war, und dieses scheint mal wieder eines dieser Gattung
gewesen zu sein. Es ging weiter, on the Road. Dennoch fiel uns nach diesem
Loch auf, daß die Nadel der Kühlwassertemperatur eindeutig in den roten
Bereich marschierte. Noch bevor wir anhalten konnten, stand sie am oberen
Anschlag. Links ran gefahren und man sah schon das Dilemma. Unter dem
Wagen Kühlwasserpfützen. Man roch es auch. Und beim Blick unter die meist
verklemmte Haube die Offenbarung: Den Kühler hat’s aus der unteren
Verankerung gerissen. Dadurch kam er mit dem Ventilator in Berührung,
welcher ein paar Kühlkanäle durchschlagen hatte, daher das Kühlwasser
jetzt fort. Okay, waren ja nur noch 60 Kilometer bis nach Livingstone.
Mit dem bisher hinter uns fahrenden Hilux schleppten wir dann den Moggi
per Stahlseil bis in den Ort. Natürlich machte ich mir während des
Schleppens schon Gedanken, wie es im Ort dann weitergehen wird. Aber ich
war ganz zuversichtlich, daß wir den Kühler dort relativ schnell gefixt
kriegen. Was sich dann doch als Trugschluß erwies. Die Mainroad am
Nachmittag schon ziemlich leer. Wir stellten den Moggi am Straßenrand
gegenüber der geschlossenen Landywerkstatt ab und machten uns auf die
Suche nach geeigneter Hilfe. Relativ schnell, über diverse
Hinterhofschrauberplätze, bekamen wir Kontakt zu einem gewissen Joe, der
mich mit einem VW-Bus von einem seiner Kunden abholte und zu seinem
„Workshop“ brachte. Hinter uns im VW-Bus zogen die anderen den Moggi ins
Ungewisse. Über eine staubige Stichpiste gelangten wir zum Ort der
Hoffnung. Von einer mit Glasscherben gespickten Mauer geschützt, durch das
Stahltor mit der von Hand draufgepinselten Werkstattaufschrift, die
Watchmen in zerrissenen Hosen drückten es auf. Drinnen ein ziemliches
Chaos, aber wir machten uns sofort dran, den Kühler auszubauen, denn ich
hatte ja immer noch damit gerechnet, daß die Karre heute abend wieder
läuft. Wir spülten den Kühler und markierten die Stellen der
Wasseraustritte. Sah nicht so gut aus. Joe nahm mich dann auf eine
„Stadtrundfahrt“ mit, um eventuell einen Austauschkühler aufzutreiben.
Aber mit jedem Meter wurde mir bewußter, daß es nicht allzu wahrscheinlich
erfolgreich sein wird. Wir fuhren zu ihm nach Hause, wo vor seiner Hütte
ein paar Autoleichen über ölversiegeltem Boden vor sich hinvegetierten.
Über diverse Kollegen dann zu einem gut bewachten
Industriebetrieb, in dessen Hof zwei blitzblanke moderne Sattelzüge
standen. Und hinter denen, in einem Schuppen, unter stattlichen dicken
Staubschicht, eine uralte Mercedes-Limousine. Da sei Kühler noch ein
Kühler drin und der könnte passen, meinte dieser Joe. Der Mechaniker. Ich
bezweifelte das, wollte aber diesen Rettungsversuch nicht von vornherein
abbrechen. Also fuhren wir wieder in den Ort rein, wühlten uns durch
diverse Bars und fanden nach einer Weile den Besitzer des Mercedes, der
auch gleich sein Okay gab, daß wir den Kühler ausbauen könnten. Wir also
wieder ins Industriegebiet. Langsam wurde es dunkel. Das nächste Problem
war dann, daß wir keine Taschenlampe dabei hatten, und daß auch noch der
Bautenzug des Mercedes zum öffnen der Motorhaube gerissen war. Also
bekamen wir schon mal die Haube gar nicht auf. Nach Stunden kam ich wieder
mit Joe zum Unimog zurück, wo ja die anderen sehnsüchtig warteten. Heute
also nichts mehr zu machen. Wir zogen den Moggi auf ein Campsite, gingen
zur Feier des Tages in der nahen Lodge essen und feilschten an Plan B, C,
D und E weiter. Am nächsten Morgen lernten wir einen weißen aus der Gegend
kennen, der auch einen Unimog haben sollte. Nettes Schwätzchen mit ihm,
aber er konnte uns jetzt am Sonntag auch nicht viel weiter helfen. Er
meinte, einen neuen Kühler bekämen wir nur in Bulawayo, in Zimbabwe, an
die vierhundert Kilometer von hier. Dazu hätten wir Visa für die Einreise
in Zimbabwe und wieder für die Einreise nach Zambia gebraucht, plus
eineinhalb Tage. Nicht gerade unsere erste Wahl. Wir also wieder zu Joe,
mit dem wir gegen elf verabredet waren. An seinem Gelände angekommen aber
nur seine Watchmen da, die uns nicht aufmachen wollten, weil ja der Chef
nicht da sei. Ganz toll, denn unser Kühler lag noch bei ihm drin. Hatten
wir blöderweise gestern vergessen. Sowas darf einem in Afrika eigentlich
nie passieren. Aber ich wußte ja, wo dieser Joe wohnt. So bekamen wir ihn
zu seiner Werkstatt. Er meinte dann, daß wir versuchen, den Kühler zu
löten. Okay. Super. Why not. Dann verschwand er
in seiner Lehmhütte, dem Office. Ich schaute mich etwas auf seinem Gelände
um. Nur absolute Schrotthaufen, an denen nicht eine einzige Schraube oder
nur noch ein einziges verwertbares Teil zu finden war. Und auch sonst
kamen mir ernsthafte Zweifel, wie kranken Automobilen hier auch nur
ansatzweise geholfen werden könnte. Kein einziges rumliegendes Werkzeug.
Es dauerte, Joe immer noch in seiner Hütte. Im Vorraum ein Teilelager, im
Hinterraum ein Schreibtisch unter Bergen aus vergilbtem Papier zu
erkennen. Joe meinte dann, er habe jetzt das Lötzinn gefunden, aber er
habe zur Zeit kein Gas. Na toll. Aber wir könnten es ja mal auf dem Markt
probieren. So packten wir den Kühler auf den Hilux und schaukelten auf den
Markt. Dort eine Wellblechbaracke, um die einige junge Typen „emsig“
arbeiteten. Es gab sogar Strom, unglaublich. Das hatte es nämlich bei Joe
nicht gegeben. Ich sah, wie ein Typ gerade das blanke ausgefranste Ende
des Strombabels seiner Flex in die einzige verfügbare Steckdose friemelte.
Ich haute die Jungs wegen des Kühlers an und sie meinten, sie könnten
heute nicht löten, denn sie hätten kein Gas. Ha, dachte ich, kein Problem,
denn die hier haben Zinn und Joe das Gas. Also packten wir die Typen mit
dem Zinn rein in den Hilux und fuhren zu Joe. Nun konnte es ja losgehen.
Pustekuchen. Man habe den „Specialist“ fürs Löten auf dem Markt vergessen,
ohne den ginge gar nichts. Wir wieder auf den Markt, um den Specialist in
seinen verlumpten Klamotten einzuladen und auch noch zu Joes Werkstatt zu
karren. Aber dann. Waren jetzt ja auch ein halbes Dutzend Specialists vor
Ort. In der afrikanischen Mittagssonne ging’s los. Mit Gas und Brenner von
Joe, mit dem Zinn vom einen und einer abgebrochenen Feile und einer
Kombizange vom anderen Specialist. Die restlichen Specialists
beaufsichtigten das ganze oder fungierten als Schaubstock. Zuerst wurden
alle Bruchstellen am Kühler blankgefeilt. Was etwa zwei Stunden dauerte.
Dann wurden die filigranen Kühlrippen mit der Zange entfernt und dann die
offenen Enden der Kanäle umgebogen. Wieder an die zwei Stunden.
Letztendlich wurde aus einem Stück Dosenblech eine Rinne gebogen, darüber
der Klumpen von Zinn erhitzt. Es tröpfelte in die Rinne, erstarrte und war
so zu einem „Lötdraht“ geworden. Damit wurde dann gelötet, alle offenen
Stellen geschlossen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Die Manu Chau
Kassette im Hilux lief endlos und gab dem ganzen Ambiente sowas
Fatalistisches. Ich verfluchte innerlich alles und wünschte mich nur
wieder zurück nach Europa. Ich sehnte mich nach einem Schnitzel oder einer
hundsgewöhnlichen Bratwurst. Wenn ich den Jungs beim Arbeiten zusah und
dann über die Autowracks in den stahlblauen Himmel blickte, dann konnte
ich mir nicht vorstellen, daß der Unimog diesen Ort jemals aus eigener
Kraft verlassen wird. Die Sonne sankt tiefer und irgendwann waren die
Jungs fertig. Wir machten einen Wassertest, manche Stellen wurden
nachgebessert und wider Erwarten schien der Kühler so gut wie dicht.
eingebaut, angelassen, lief. Jetzt Preisverhandlungen. Jeder Specialist
war ja existenziell notwendig bei dieser Notoperation am offenen Herzen,
claro, jeder kostete. Hatte ja jeder bestimmt auch ein Dutzend Kinder. Den
Vogel schoß aber Joe ab, der astronomisch viel für sein Gas verlangte.
Aber wenigstens lief die Karre. Als Testfahrt fuhren wir zum Sundowner
runter an den Zambesi, bewunderten im nachhinein das Improvisationstalent
der Afrikaner und stießen darauf an, mit kühlem Savanna.
Diedel
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